Was ist Schlaraffia? |
|
![]() |
Schlaraffia ist eine innige Gemeinschaft von Männern, die in gleichgesinntem Streben die Pflege der Kunst und des Humors unter gewissenhafter Beobachtung eines gebotenen Ceremonials bezweckt und deren Hauptanliegen die Hochhaltung der Freundschaft ist. – Soweit die Definition Schlaraffias, wie sie von den Mitgliedern, den Schlaraffen, in ihren Grundsätzen in „Spiegel und Ceremoniale“ festgelegt wird. Am 10. Oktober 1859 kam es in Prag zur Bildung einer Künstlervereinigung, die sich vorwiegend aus Schauspielern, Sängern, Musiker und Schriftstellern zusammensetzte. Daraus entwickelte sich in über 140 Jahren ein weltumspannender Bund auf allen fünf Kontinenten in über 240 Städten. Von Kanada bis Südafrika und von Argentinien bis Australien treffen sich Schlaraffen einmal wöchentlich zu ihren gemeinsamen Abenden, wobei die Sprache in jedem Fall deutsch ist. Wie es zu dem Namen „Schlaraffia“ kam, ist nicht genau bekannt, die wahrscheinlichste Erklärung ist die Ableitung aus dem mittelhochdeutschen „Slur-Affe“ und bedeutete nicht anderes als „sorgloser Genießer“. Im Fall der heutigen Schlaraffen ist es im intellektuell – geistigen Sinne gemeint. Wer Schlaraffe wird tritt in ein geistiges Schlaraffenland mit einigen Spielregeln und fast grenzenlosen Möglichkeiten ein. In der Zeit der Gründung Schlaraffias war ein Lebensziel der Erwerb von Titel, Orden und sichtbaren Auszeichnungen. Diesen Begriffen setzten die Schlaraffen die Persiflage und die Parodie entgegen. Man setzte die Zeitrechnung um 300 Jahre zurück, also ins 16. Jahrhundert und damit erhielten die Begriffe wie Ritter, Junker, Knappe, Thron, Rüstung, Helm und Schwert wieder Bedeutung. Für die Zusammenkünfte lautet der Leitspruch „In arte Voluntas“ (In der Kunst liegt das Vergnügen) und diese gemeinsamen Abende werden nach weltweit gleichen „Spielregeln“ gestaltet. Alle schönen Künste werden gepflegt und der Humor und das „Sich-nicht-Ernstnehmen“ spielen eine große Rolle. Einmal in der Woche entfliehen die Schlaraffen für ein paar Stunden dem „profanen“ Alltag und begeben sich in die „Burg“, dem mit diversen Utensilien und Einrichtungsgegenständen ausgestattetem Vereinslokal. Hier lassen sie Beruf, Alltagsstress und Hektik vor der Tür, wenn sie sich vor dem weisen Uhu verneigen. Diese Verbeugung gilt als allgemeine Begrüßung und als Zeichen der Hochachtung der schlaraffischen Gebräuche. Der Uhu wird keinesfalls für einen Gott gehalten, sondern spielt die Rolle eines heraldischen Wappentieres, ist aber auch für die Anwesenden ein Sinnbild der Weisheit, die während des Abends vorherrschen soll. Wenn nun die Frage beantwortet werden soll, was denn nun eigentlich „Schlaraffia“ ist, so kann grundsätzlich gesagt werden, dass sie natürlich keine Weltanschauung ist und hierauf auch keinen Anspruch erhebt. Schlaraffe sein heißt, mit einer positiven Grundhaltung und Fröhlichkeit dem Anderen gegenüber zu treten und mit einem Augenzwinkern die gemeinsamen Abende zu gestalten. Im fröhlich gestalteten ritterlichen Spiel mit Worten, Rede und Gegenrede läuft nach festgelegten Spielregeln der Abend ab. Schlaraffen machen für sich eine Art literarisches Kabarett. Sie halten kleine Vorträge, geben selbst gemachte Gedichte zum besten oder rezitieren Literaten. Sie spielen Klavier oder andere Instrumente, singen aus der musikalischen Literatur, aber auch gemeinsam aus einem umfangreichen schlaraffischen Liederbuch. Natürlich gibt es bei den Zusammenkünften auch ernsthafte Themen, die als geistige Anregung zur Ausarbeitung von Vorträgen genutzt werden und so lernt auch Einer vom Anderen. Die Leitung der Sippungen obliegt den jeweils für ein Jahr gewählten drei Oberschlaraffen, von denen einer im Wechsel fungiert und in seiner Funktion unfehlbar ist. Die Sippungen finden nur in den Wintermonaten, nämlich vom 1. Oktober bis zum 30. April statt. Da Schlaraffia ein ausgesprochener Männerbund ist, finden nur in Ausnahmefällen wie bei Stiftungsfesten oder Weihnachtsfeiern Abende mit Damen statt. Während der Sommermonate sind sie aber zu vielen privaten Aktivitäten gerne eingeladen. Zu den Besonderheiten Schlaraffias zählen auch Name und Kleidung. Pilger und Prüflinge tragen eine „Pilgerhaube“, Knappen und Junker tragen eine „Sturmhaube“ bzw. einen „Junkerhelm“. Der Ritter trägt zu seinem Helm, auf dem sein Rittername eingestickt ist noch eine Rüstung in Form eines Umhang oder Mantels. An diesem Umhang werden die Auszeichnungen (Ahnen und Orden), die der Ritter für Vorträge oder andere schlaraffische Leistungen erhält, befestigt. Während der Knappe nur mit seiner Matrikelnummer und der Junker mit seinem Vornamen angesprochen wird, trägt der Ritter einen in Schlaraffia einmaligen Namen, den er auch sein ganzes Leben behält. Als symbolisches Zeichen seiner Mitgliedschaft trägt der Schlaraffe eine weiße Nadel im Rockaufschlag, genannt „Roland-Nadel“ nach dem Ritter Roland, der diese Nadel in Schlaraffia einführte. Für zahlreiche Begriffe haben die Schlaraffen eigene Ausdrücke, das sog. „Schlaraffenlatein“. Schlaraffen essen und trinken nicht, sie „atzen“ und „laben“. Sie trinken auch nicht Bier und Wein sondern sie laben „Quell“ und „Lethe“. Für Begrüßung, Verabschiedung und positive Beifallskundgebung verwendet der Schlaraffe den Ruf „Lulu“. Und wie wird man Schlaraffe? Um aufgenommen zu werden, benötigt man in der Regel einen Paten, der für den Aspiranten bürgt. Bedingung sind unbescholtener Ruf, reifes Mannesalter und eine gesicherte Stellung. Da die Schlaraffia kein Geheimbund ist, kann ein Interessierter des Öfteren von seinem Paten mitgebracht werden, damit er einen besseren Eindruck vom Sippungsablauf bekommt und sich besser mit den Gebräuchen der Schlaraffen vertraut machen kann. Fragen sind immer erlaubt und werden auch gerne beantwortet. Nach einem dreimaligen Besuch und bekundetem Interesse an Schlaraffia sollte sich der „Pilger“ vorstellen und seinen Lebenslauf vortragen. Er wird sodann „Prüfling“, d.h., er kann in Ruhe prüfen, ob er Gefallen am schlaraffischen Spiel findet und auch das Reych kann prüfen, ob der Bewerber zum Reich passt. Sein Name und die wichtigsten Daten werden in „Der Schlaraffia Zeyttungen“ veröffentlicht. Erfolgt innerhalb von 6 Wochen kein Einspruch, so wird er zur Aufnahme in Schlaraffia vorgeschlagen. Die Einkleidung ist die offizielle Aufnahme in Schlaraffia. Der nunmehrige Knappe bekommt neben der Sturmhaube mit der Matrikelnummer die Rolandnadel, den „Schlaraffenspiegel und Ceremoniale“ sowie den Schlaraffenpass als Ausweis und wichtiges Dokument, das ihm die Pforten der „Burgen“ in aller Welt öffnet. Der Knappe wird an der Junkertafel mit allen Sitten und Gebräuchen Schlaraffias vertraut gemacht, steigt nach einiger Zeit und nach einer Prüfung zum Junker auf und wird schließlich bei weiterer Bewährung feierlich zum Ritter geschlagen. Damit hat er den höchsten schlaraffischen Stand erreicht und kann nun alle Aufgaben im Reich selbstständig übernehmen. Resümee: Wer kein Schlaraffe ist, hat nichts verloren; Im Windmond a.U. 142 |
| Mausklick: nach oben |
|

